Stand: Juli 2005
Stromversorgung in Deutschland ist sicher
Trotz anhaltender Hitzewelle und ausbleibender Niederschläge in den südlichen Ländern Europas: Zu einem Engpass in der Stromversorgung Deutschlands wird es nicht kommen, zu Strompreiserhöhungen besteht kein Anlass. Deutschland ist Stromexportland und nicht von Importen abhängig.
Frankreich liefert aktuell zwar keinen Strom mehr nach Deutschland. Doch die Stromlieferungen aus Frankreich machen nur 2,5 Prozent des gesamten jährlichen Verbrauchs in Deutschland aus. Dies kann ohne Probleme ausgeglichen werden - die deutsche Energiewirtschaft verfügt über ausreichende Stromkapazitäten und führte zuletzt mehr Strom aus als ein. Auch nach Frankreich wird Strom exportiert: zuletzt zum Beispiel, als dort der Strom aufgrund des langen Winters 2004/05 und wegen des hohen Anteils an Stromheizungen knapp wurde. Ein Wegfall der Importe aus Frankreich befindet sich zudem im Rahmen der Schwankungen des üblichen Stromhandels zwischen den Unternehmen und Ländern im liberalisierten europäischen Strommarkt.
In den beiden zurückliegenden Jahren wurden in der deutschen Lieferbilanz von Strom deutliche Exportüberschüsse erzielt. Im Jahr 2004 erzielte die deutsche Energiewirtschaft einen Ausfuhrüberschuss von 6,5 Prozent, im Jahr 2003 waren es sogar 8 Prozent - die höchsten Werte seit 1990. 45,7 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom wurden im Lauf des Jahres 2003 importiert, 53,8 Milliarden Kilowattstunden ausgeführt. Deutschland liegt mit dieser Bilanz beim Stromaustausch an erster Stelle innerhalb der Europäischen Union. Größte Abnehmer deutschen Stroms waren im letzten Jahr die Niederlande mit 17,4 Milliarden Kilowattstunden, die Schweiz mit 11,8 Milliarden Kilowattstunden und Österreich mit 8,9 Milliarden Kilowattstunden.
Frankreich dagegen ist mit einem Ausfuhrüberschuss von 66,1 Milliarden Kilowattstunden europaweit der größte Exporteur von Strom. Italien jedoch führt innerhalb der Europäischen Gemeinschaft den meisten Strom ein (Einfuhrüberschuss: 45,6 Milliarden Kilowattstunden).
In Ländern wie Italien oder Spanien ist derzeit die Nachfrage nach Strom erhöht, weil dort - mehr als in Deutschland - bei hohen Temperaturen in großem Umfang Klimaanlagen eingesetzt werden. Deshalb entstehen dort in heißen Sommermonaten extreme Spitzenwerte im Stromverbrauch, in Deutschland ist der Bedarf im Verhältnis zu den Wintermonaten niedriger.
Nach einer Information des Verbands der Netzbetreiber (VDN) nutzen die deutschen Stromkunden im Sommer etwa zehn Prozent weniger Strom als im Winter: So wurde im Dezember des Jahres 2004 mit 72.500 Megawatt (MW) der höchste 11-Uhr-Wert gemessen. Die entsprechende Belastung lag im Sommer des Jahres bei 64.800 MW. Die Differenz ist heute im Vergleich zu den siebziger Jahren zwar geringer, weil unter anderem mehr Strom für Kühlung und Klimaanlagen benötigt wird. Generell besteht jedoch im Sommer ein höheres Kapazitätspolster als im Winter.
Dazu trägt auch der Kurs der Bundesregierung bei: Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien - nur das schafft letztlich Versorgungssicherheit. Und das bedeutet auch: die Häuser besser isolieren statt stromfressende Klimaanlagen zu installieren. Oder: nicht mit Strom heizen - denn zwei Drittel der eingesetzten Energie gehen schon bei der Produktion als Abwärme in Neckar oder Rhône.
In den südlichen europäischen Länder mangelt es zwar nicht an Energiezufuhr - der Strom kann etwa aus Frankreich eingekauft werden. In diesen Ländern, insbesondere in Italien und Spanien, besteht eher die Gefahr, dass bei weiter steigendem Verbrauch und geringeren Kapazitäten der Kraftwerke im Land die benötigten Strommengen nicht zu den Verbrauchern gelangen können. Das aber liegt dann nicht am mangelnden Energieangebot, sondern an dem dafür nicht ausreichend ausgelegten Stromnetz.
| Europäische Stromzahlen 2004* (in Mrd. kWh) | |||
| Land |
Einfuhr
|
Ausfuhr
|
Saldo ( überschuss) |
| Belgien |
14,6
|
6,8
|
-7,8
|
| Dänemark |
8,7
|
11,5
|
+2,8
|
| Deutschland |
44,2
|
51,5
|
+7,3
|
| Estland |
0,3
|
1,9
|
+1,6
|
| Finnland |
11,7
|
6,8
|
-4,9
|
| Frankreich** |
7,0
|
73,1
|
+66,1
|
| Großbritannien |
10,0
|
2,0
|
-8,0
|
| Irland |
1,5
|
0
|
-1,5
|
| Italien |
46,4
|
0,8
|
-45,6
|
| Lettland |
5,6
|
3,5
|
-2,1
|
| Litauen |
0,1
|
7,3
|
+7,2
|
| Luxemburg |
6,5
|
3,1
|
-3,4
|
| Niederlande |
21,4
|
5,2
|
-16,2
|
| Österreich |
16,6
|
13,5
|
-3,1
|
vergleichbare Werte für Griechenland und Malta liegen nicht vor
* vorläufige und gerundete Zahlen
** Zahlen aus 2003
Quelle: Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW)

Quelle: Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW)
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